Abschlussfahrt der Landwirtschaftsschule, Abteilung Landwirtschaft
Studierende machten sich auf den Weg nach Straßburg
Auch 2026 stand an der Landwirtschaftsschule Roth die Abschlussfahrt an. Vom 11. bis 13. März machten sich 33 Studierende mit 5 Lehrern auf den Weg Richtung Frankreich.
Der erste Stopp der Etappe lag bereits kurz hinter der Grenze zum Nachbarbundesland Baden-Württemberg. Hier wurde der Vion Schlachthof in Crailsheim besucht. In diesem werden täglich rund 4000 Schweine und 500 Rinder geschlachtet und verwertet. 95 % dieser Tiere kommen aus einem Umkreis von 200 km und 50 % davon werden anschließend regional vermarket. Insgesamt arbeiten am Schlachthof Crailsheim 500 bis 600 Mitarbeiter.
Zu Beginn bekam die Reisegruppe einen Vortrag über die Entwicklung des Fleischmarktes, Trends und Export ins Ausland. Besonders interessant waren die Infos über Nebenprodukte der Fleischproduktion, wie beispielsweise der Einsatz von Kollagen in Pflegeprodukten oder Gelatine in Kapseln von Medikamenten.
Anschließend gab es eine Führung durch das 8 Hektar große Betriebsgelände, in der die Studierenden und Lehrer nicht alltägliche Einblicke in Anlieferung, Schlachtung, Zerlegung und Verpackung bekamen. Besonders interessant war dies, um nachvollziehen zu können, wie es nach der Abholung der Tiere am heimischen Betrieb abläuft und regionale Lebensmittel produziert werden. Nach einer kurzen Brotzeit wurde die Fahrt Richtung Frankreich fortgesetzt.
Größter Fleckviehzüchter Frankreichs
Das zweite Tagesziel war der Milchviehbetrieb Cousandier in Roeschwoog kurz hinter der französischen Grenze. Der Betrieb hält 190 Milchkühe und bewirtschaftet 205 ha, welche arrondiert um den Betrieb liegen, und wirtschaftet als Familienbetrieb im Vollerwerb. Familie Cousandier zählt als größter Fleckviehzüchter Frankreichs und bekam 2020 die Auszeichnung für den besten Stall, der 2015 gebaut und 2017 erstmalig bezogen wurde. Durch die Lage des Betriebs im Rheinbecken stößt man bereits bei 2 Metern Tiefe auf Grundwasser, wodurch eine Bewässerung der Flächen in Spitzenzeiten leicht möglich ist und auf diesen Betrieb auch durchgeführt wird.
Durch die arrondierte Flächenlage können die Kühe im Sommer die Zeit auf der Weide verbringen und kommen früh und abends selbstständig zum Melken zurück zum Stall. Besonders interessant für die Studierenden waren die Flächenpreise in dieser Region. Herr Cousandier berichtet, dass die Pachtpreise bei 120 bis 220 €/ha liegen und Kaufpreise bei rund 5000 bis 6000 €/ha. Auf Nachfrage der Studierenden, ob es zwischen den Betrieben einen Kampf um Pachtflächen gibt, erklärte der Betriebsleiter, dass sich die Betriebe abgesprochen haben, wer in welchen Gebieten vorrangig Flächen bekommen soll. Auch dies war für die Studierende eine Besonderheit.
Besuch bei Winzergenossenschaft
Nach Ende des Betriebsrundgang ging es zurück nach Deutschland. Ziel war nun die Winzergenossenschaft „Oberkircher Winzer“ in Oberkirch. Nach einem kurzen Sektempfang nahm sich der Vorstandsvorsitzende Herr Männle Zeit für die Landwirtschaftsschule und führte sie durch den Weinkeller. Herr Männle informierte darüber, dass die Genossenschaft 1951 gegründet wurde und mittlerweile aus 400 Mitgliedern besteht. Er berichtet davon, dass auch die Weinbranche durch den abnehmenden Alkoholkonsum betroffen ist und sich der Weinanbau durch den Klimawandel verändert. Die Genossenschaft verarbeitet jährlich 5 Millionen Tonnen Trauben, wovon anschließend 75 % davon als Wein in den Flaschen abgefüllt werde.
Die Studierenden interessierte besonders, wie hoch der Zeitbedarf pro Hektar im Weinanbau ist und wie viel Hektar für den Vollerwerb nötig sind. Der Zeitbedarf liegt laut Herr Männle bei rund 600 Stunden pro Hektar und seiner Einschätzung nach sind etwa 20 bis 25 Hektar nötig, um im Haupterwerb wirtschaften zu können. Die Führung endete im Vinotorium mit einer Weinverkostung. Hier wurden in sehr schönem Ambiente 5 Weine aus der eigenen Produktion verkostet. An einem Modell, das in der Wand des Vinotoriums angelegt wurde, veranschaulichte Herr Männle den Studierenden den Aufbau eines Weinbergs. Ähnlich einem Bodenprofil aus der Landwirtschaft konnten die Studierenden die einzelnen Bodenschichten erkennen, bis ganz unten die Granitschicht kommt.
Treffen im EU-Parlament
Am zweiten Tag startete die Landwirtschaftsschule bei strahlendem Sonnenschein nach Straßburg. Das erste Ziel hier war der Besuch des EU-Parlaments und ein persönliches Treffen mit MdEP Herrn Stefan Köhler. Nach einer ausgiebigen Sicherheitskontrolle wurden die Studierenden und Lehrer durch die Assistentin zu Herrn Köhler gebracht. Zu Beginn schilderte Herr Köhler seinen Alltag im EU-Parlament und welche Funktionen er innehält. Er informierte darüber, dass das EU-Parlament die Vertretung von 450 Millionen Bürgerinnen und Bürgern, in 8 Fraktionen und 28 Ausschüsse unterteilt ist. Insgesamt gibt es 24 Amtssprachen, wobei die Hauptsprachen englisch und französisch sind.
Besonders interessant war der Einblick in den Ablauf von Entscheidungsprozessen, wodurch die Studierenden nachvollziehen konnten, wie bestimmte Festlegungen oder Prozentzahlen entstehen. Herr Köhler gab hierbei auch Einblick in seine Arbeit im Agri- und Umweltausschuss. Die Studierenden interessierte bei im Hinblick auf den Agri – Ausschuss wie viele der Mitglieder Landwirte aus der Praxis seien. Laut Herrn Köhler sind 15 – 18 der insgesamt 70 Mitglieder Landwirte bzw. haben einen landwirtschaftlichen Hintergrund. Dabei wurde Herr Köhler noch gefragt, wie er als aktiver Landwirt seinen Betrieb und sein Mandat im EU-Parlament unter einen Hut bekommt. Dies ist nach seiner Aussage nach durch bereits jahrelange gute überbetriebliche Zusammenarbeit und Familienmitgliedern möglich. Zudem nimmt er sich selbst in bestimmten Ernteperioden Zeit für die Feldarbeiten. Im weiteren Gespräch wurde die Reisegruppe über die Entwicklung der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und des Haushalts für die Landwirtschaft informiert. Während des gesamten Gesprächs herrschte ein aktiver Austausch und Diskussion auf Augenhöhe und die Studierenden konnten ihre Fragen und Anliegen vortragen. Im Anschluss an das Gespräch besuchten die Studierenden und Lehrer eine Sitzung des EU-Parlaments, in dem zu dieser Zeit über die Sicherheit des europäischen Schienenverkehrs diskutiert wurde. Trotz dieses nicht landwirtschaftlichen Themas war dieser Besuch äußert interessant und nicht alltäglich. Zur Mittagszeit spendierte Herr Köhler der Reisegruppe ein Mittagessen und im Anschluss war noch der Besuch des Infozentrums möglich.
Geschichte von Straßburg
Am Nachmittag stand anschließend eine Stadtführung durch Straßburg an. Straßburg gilt in Frankreich als eine der wichtigsten Universitätsstädte, mit sehr günstigen öffentlichen Verkehrsmitteln. Während der gesamten Führung wurde immer wieder die deutsch – französische Geschichte beschrieben und welchen Einfluss dies auf Straßburg nahm. Besonders interessant war auch die Erklärung der Herkunft verschiedener Redewendungen oder Wörtern. Ein Beispiel dafür sind beispielsweise die Spießbürger. Dieser Begriff ist durch die Stadtwächter entstanden, die nachts die Besucher der Stadt mit ihren Spießen aus der Stadt drängten, um anschließend die Tore zu schließen. In der Stadtführung kam auch das soziale Staatssystem von Frankreich zur Sprache, in dem beispielsweise die Kindergärten kostenfrei zur Verfügung stehen und die Kinder bereits früh um halb acht gebracht und abends bis halb 7 abgeholt werden können, damit alle Eltern die Möglichkeit zur Vollzeitarbeit haben.
Nach der Stadtführung stand allen Zeit zur freien Verfügung bereit und konnten selbstständig die Stadt weiter erkunden. Der Abend klang bei einem gemeinsamen Abendessen im urigen Ambiente eines Gewölbekellers aus. Auf dem Menü standen verschiedene Flammkuchenvarianten mit Salat und anschließender Nachspeise. Hier wurde der Tag gemütlich ausklingen gelassen.
Französische Landwirtschaftsschule besucht
Bevor am Freitag die Rückreise nach Deutschland angetreten wurde, besuchte die Gruppe noch zwei Betriebe in Frankreich. Der erste Halt wurde in Obernai an der „General and Technic Agricultural High School“ gemacht. Hierbei handelt es sich um eine französische Landwirtschaftsschule mit anliegender Lehranstalt, ähnlich wie in Triesdorf. Die Lehranstalt ist in 50 % Biolandbau und 50% konventioneller Landwirtschaft unterteilt und es werden klassische Kulturen, wie Weizen, Mais, Zuckerrüben und Getreide angebaut, aber auch Sauerkraut und insgesamt rund 30 ha Hopfen.
Während der Führung durch den Betrieb wurde berichtet, dass auch in Frankreich der Anbau von Hopfen problematischer wird. Sinkende Preise und fehlender Absatz bereiten auch hier den Betrieben Sorgen, weshalb sich dazu entschieden wurde, die Anbaufläche zu reduzieren und somit wurden bereits 6 ha gerodet. Besonders interessant war, dass die Lehranstalten Versuche im Bereich Anbau von Biohopfen durchführen, um neue Erkenntnisse in diesem Bereich zu gewinnen und neuen Absatz zu generieren.
Um neben dem Ackerbau auch Wissen in der Tierhaltung vermitteln zu können, werden auf den Lehranstalten Mastbulle der besonderen Rasse Gascon gehalten. Hier waren die Studierenden der Landwirtschaftsschule Roth von der Futterration überrascht. Diese wird zweimal jährlich als TMR, also Grassilage, Maissilage und Mineralfutter, fertig gemischt und anschließend einsiliert, womit sich der Einsatz der Futtermischwagen gespart wird und das Futter lediglich mit einer Verteilschaufel im Stall verteilt wird.
Karotten stellen einen weiteren Bestandteil der Futterration dar. Um den Mist auf der Bullenmast besser verwerten zu können, betreiben die Lehranstalten eine kleine Biogasanlage, in der auch Biomüll verwertet werden kann. Hierbei können auch private Kunden Müll vorbeibringen und entsorgen. Die sämtlichen Kosten des Betriebs können alleinig durch die Verkaufserlöse der Kulturen getragen werden.
Anschließend wurde die Fahrt nach Wingersheim zum Betrieb Yves Pfister fortgesetzt. Bei diesem Betrieb handelt es sich Ackerbaubetrieb mit insgesamt 240 ha, wovon 38 ha Hopfen und 120 ha Körnermais sind. Zudem werden laut Betriebsleiter 16.000 Masthähnchen und 550 Mastschweine gehalten. Neu ausprobieren möchte Herr Pfister den Anbau von Pfeffer. Dazu habe er vor kurzem Pflanzen gekauft und werde ab diesem Jahr den Anbau versuchen. Die Arbeit wird schwerpunktmäßig von 2 Familienarbeitskräften, dem Betriebsleiter Herr Pfister und seinem Bruder, durchgeführt und in den Hauptzeiten des Hopfenanbaus sind noch 20 bis 25 Fremdarbeitskräfte auf dem Betrieb, damit die Arbeitsspitzen bewältigt werden können.
Putenmastbetrieb
Letzte Station war Rot am See. Dort wurde der Putenmastbetrieb von Familie Könninger besucht. Bereits seit 1979 hat sich der Betrieb auf die Mast von Putenhähnen spezialisiert und ist über die Jahre auf 30.000 Tiere gewachsen. Dieses Wachstum war durch den Aufkauf von Ställen der Betriebskollegen möglich, die den Betrieb einstellten.
Die Führung am Betrieb startete an den Aufzuchtställen, in denen die Küken mit einem Alter von einem Tag eingestallt werden und anschließend 9 Wochen dort aufwachsen dürfen. Herr Könninger berichtet, dass insgesamt jährlich viermal aufgestallt und aufgezogen wird. Verkauft werden die Tiere mit einem Gewicht und 20 bis 25 kg und es werden durchschnittlich 2€ pro Kilogramm Lebendgewicht gezahlt. Sobald die Tiere den Betrieb verlassen, werden die Ställe ausgemistet, gewaschen und die Aufzuchtställe zusätzlich noch desinfiziert.
Im Anschluss an die Betriebsführung wurden die Studierenden und Lehrer von Simon Könninger, Sohn des Betriebsleiters, über die Putenmast in Deutschland informiert. Hierbei konnte festgestellt werden, dass die Selbstversorgung in Deutschland bei lediglich 80 % liegt. Äußerst interessant war der Vergleich mit den USA, denn in Deutschland werden jährlich insgesamt 32 Millionen Puten gehalten und in den USA werden zu Thanksgiving, dem amerikanischen Erntedankfest, an einem Tag 42 Millionen Puten verwertet.
Vielfältige fachliche Eindrücke
Die Abschlussfahrt bot den Studierenden vielfältige fachliche Eindrücke, internationale Perspektiven und praxisnahe Einblicke in unterschiedliche Bereiche der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.